Ihre Macht lebt von eurem Blut

Ein Geschäftsmann reißt im Siegesjubel die Fäuste in die Luft, bequem im Sessel sitzend, während draußen vor dem Fenster Explosionen zu sehen sind.
Glen Kelp / Pixabay

Menschen dieser Welt, hört mich an.

Schaut euch die Bilder an, die sie euch nicht zeigen wollen.

Ein Vater in Kiew, der sein totes Kind aus den Trümmern trägt. Eine Mutter in Gaza, die um ihr Baby schreit, das unter Beton begraben liegt. Ein 19-Jähriger in Russland, der nicht weiß, warum er sterben muss. Ein Kind in Syrien, das seit drei Jahren keinen Tag ohne Bomben kennt.

Sie weinen die gleichen Tränen wie du. Sie haben die gleiche Angst wie du. Sie lieben ihre Kinder genauso wie du.

Und trotzdem nennt ihr sie Feinde.

Warum?

Weil Männer in Anzügen euch das einreden. Männer, die nie einen Schuss gehört haben. Männer, die nie eine Leiche gesehen haben. Männer, die euch brauchen, um ihre Macht zu füttern.

Ich nenne sie beim Namen.

Wladimir Putin. Er schickt junge Russen in den Tod für seinen Größenwahn. Er redet von Geschichte, während er Gräber gräbt. Er nennt es Verteidigung, während er Städte auslöscht.

Donald Trump. Er spielt mit Krieg wie mit einem Spielzeug auf Truth Social. Er redet von „stark sein“, während er andere bezahlen lässt. Er hetzt, spaltet, provoziert – und wenn es knallt, steht er sicher hinter seinem Zaun.

Und es gibt noch mehr. In Tel Aviv. In Teheran. In Peking. In Washington. Überall sitzen Männer, die glauben, die Welt gehöre ihnen. Die glauben, euer Leben sei eine Zahl in ihrer Kalkulation.

Sie nennen es Geopolitik. Ich nenne es Mord.

Sie sagen, es geht um Freiheit. Aber welche Freiheit hat ein totes Kind? Sie sagen, es geht um Sicherheit. Aber welche Sicherheit hat eine Mutter, die nachts nicht schläft, weil die Bomben kommen? Sie sagen, es geht um Ehre. Aber welche Ehre hat ein Krieg, der mit Lügen beginnt und mit Massengräbern endet?

Hört mir zu:

Euer Feind steht nicht auf der anderen Seite der Front.

Euer Feind sitzt im Kreml und unterschreibt Befehle, während er Wodka trinkt.
Euer Feind sitzt in Mar-a-Lago und postet Kapitalis-Botschaften, während andere bluten.
Euer Feind sitzt in Palästen, fliegt in Privatjets, schickt eure Kinder in den Tod und nennt es Pflicht.

Und ihr? Ihr gehorcht.

Ihr lasst euch spalten. Russe gegen Ukrainer. Israeli gegen Palästinenser. Weiß gegen Schwarz. Arm gegen Reich. Solange ihr euch hasst, können sie in Ruhe stehlen.

Aber wisst ihr was?

Wenn morgen alle Soldaten ihre Waffen niederlegen würden, wäre der Krieg vorbei. Sofort. Ohne Verhandlung. Ohne Gipfel. Ohne ihren Segen.

Weil Krieg ohne euch nicht funktioniert.

Stellt euch das vor.

Stellt euch vor, wie es wäre, wenn ein ukrainischer Bauer und ein russischer Bauer nebeneinander auf dem Feld stehen. Nicht mit Gewehren. Mit Händen. Und sie teilen sich das Brot.

Stellt euch vor, wie es wäre, wenn eine israelische Mutter und eine palästinensische Mutter nebeneinander am Grab stehen. Nicht mit Hass. Mit Tränen. Und sie weinen um beide Kinder.

Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke. Die Stärke, die sie fürchten.

Denn Angst ist ihr Geschäft. Hass ist ihre Währung. Spaltung ist ihre Macht.

Nehmt ihnen die Macht weg.

Arm oder reich – ihr habt den gleichen Herzschlag.
Schwarz oder weiß – ihr habt die gleichen Träume.
Deutscher, Russe, Ukrainer, Amerikaner, Syrer, Israeli, Palästinenser – ihr seid Menschen. Punkt.

Kein Mensch ist mehr wert als ein anderer. Kein Kind ist weniger wert, nur weil es auf der falschen Seite der Grenze geboren wurde. Kein Leben ist eine Verhandlungsmasse für alte Männer mit zu viel Macht und zu wenig Gewissen.

Und hört mir jetzt gut zu, denn hier liegt die größte Lüge von allen:

Sie sagen, es gäbe nicht genug für alle. Nicht genug Brot. Nicht genug Wasser. Nicht genug Platz.

Das ist eine Lüge. Eine dreckige, kalte Lüge.

Mutter Erde hat genug. Genug Felder, um jeden Menschen satt zu machen. Genug Wasser, um jeden Durst zu stillen. Genug Sonne, um jeden zu wärmen.

Wir produzieren genug Nahrung für 10 Milliarden Menschen. Und trotzdem verhungern Kinder. Nicht weil es zu wenig gibt. Sondern weil sie es in Lagerhäusern verrotten lassen, während sie Preise hochtreiben. Nicht weil es zu wenig gibt. Sondern weil sie lieber Getreide in Panzer verwandeln, als es in hungrige Münder zu geben.

Sie erschaffen Mangel, um euch kontrollieren zu können. Sie erschaffen Angst, damit ihr nicht fragt, warum.

Es gibt genug für alle. Wenn wir aufhören, es für Kriege zu verbrennen. Wenn wir aufhören, es in die Taschen von ein paar Hundert Milliardären zu schütten.

Denkt darüber nach: Eine einzige Stunde Krieg kostet mehr, als es kosten würde, ein ganzes Dorf ein Jahr lang zu ernähren.

Und sie sagen euch, es sei kein Geld da.

Hört auf diesen Wahnsinn.

Ich habe genug gesehen.

Genug von Müttern, die ihre Kinder begraben.
Genug von Kindern, die im Schlaf sterben.
Genug von jungen Männern, die mit 20 schon wissen, wie es ist, zu töten und getötet zu werden.

Und ihr?

Wie lange wollt ihr noch zusehen? Wie lange wollt ihr noch schweigen, während sie eure Söhne holen? Wie lange wollt ihr noch glauben, dass das alles normal ist?

Es ist nicht normal. Es ist Wahnsinn. Und der Wahnsinn endet nur, wenn ihr aufhört mitzuspielen.

Steht auf.

Sagt nein zu Putin. Nein zu Trump. Nein zu allen, die glauben, sie dürfen über euer Leben entscheiden.
Sagt nein zu jeder Bombe. Jeder Drohne. Jedem Panzer.
Sagt nein zu der Lüge, dass Hass normal ist.
Sagt nein zu der Lüge, dass es nicht genug gibt.

Und sagt ja.

Ja zu dem Menschen neben dir. Egal wo er herkommt. Egal was er glaubt. Egal was er hat.
Ja zum Leben. Ja zum Frieden. Ja zur verdammten Menschlichkeit.
Ja zu einer Welt, in der niemand hungert, weil es genug für alle gibt.

Denn wenn wir das nicht schaffen, dann war alles umsonst. Dann haben wir nichts gelernt. Dann sind wir keine Menschen. Dann sind wir nur Vieh, das man in den Schlachthof treibt.

Und ich glaube nicht, dass wir Vieh sind.

Ich glaube, dass ihr mehr seid als das. Ich glaube, dass ihr genug habt von Lügen. Ich glaube, dass ihr genug habt von Angst. Ich glaube, dass ihr genug habt davon, für andere zu sterben.

Die Welt gehört nicht Putin. Sie gehört nicht Trump. Sie gehört nicht den Kriegstreibern.

Die Welt gehört uns. Allen von uns.

Nehmt sie euch zurück.

Mit erhobenen Händen. Mit offenen Augen. Mit dem Mut zu sagen:

Nie wieder. Für niemanden. Nirgends.

Bild von Matthias Rösinger

Matthias Rösinger